1947 erschienen in New York zwei Aufrufe des CAME, Committee against Mass Expulsion, ein Komitee wichtiger Menschenrechtsaktivisten aus den USA – von denen einige schon in der “American Civil Liberties Union”, einer der wichtigsten amerikanischen Menschenrechtsorganisationen, tätig waren – gegen das dramatische Schicksal der Zwangsvertreibungen der deutschen und deutschsprachigen Bevölkerung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und aus den Ländern Ost-u. Mitteleuropa. Unter den neunzehn Unterzeichnern der beiden CAME-Appelle befanden sich die bekannte Journalistin Dorothy Thompson, der berühmte Pädagoge John Dewey, der Philologe Dean Christian Gauss, die Journalisten Christopher Emmet und Varian Fry, der Jesuit John La Farge. Die beiden Publikationen, mit den bezeichnenden Titeln: The land of the dead: study of the deportations from eastern Germany und Men without the rights of man: a report on the expulsion and extermination of the German speaking minority groups in the Balkans and prewar Poland, wurden 1948 in deutscher Übersetzung und in gekürzter Fassung vom Zonenausschuß der CDU der Britischen Zone mit dem Titel: Das Land der Toten. Menschen ohne Menschenrechte. Studien der Deportationen aus dem Osten Deutschlands neu aufgelegt. Die Migrationen, auf die sich die CAME-Dokumente bezogen, waren Teil eines umfassenderen Prozesses von erzwungenen Völkertransfers, die am Ende des Zweiten Weltkriegs in den mittelosteuropäischen Ländern stattfanden und meist das Ziel hatten, durch ethnolinguistische Homogenisierungsprogramme, oft mit offizieller Unterstützung der Sieger des Krieges, diesen Teil Europas national neu zu definieren. Gerade die deutsche und deutschsprachige Bevölkerung war von diesem tragischen Schicksal mit insgesamt 14 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, und einer geschätzten Zahl von 600.000 bis 2 Millionen Toten, am stärksten betroffen. CAME kritisierte scharf die schweren Menschenrechtsverletzungen, die dieses Phänomen der Vertreibungen, mit Zustimmung oder Schweigen der Alliierten, den deutschen und deutschsprachigen Flüchtlingen verursachte, und verglich sie provokativ mit einigen der Anklagen, die von den Alliierten selbst während des Nürnberger Prozesses erhoben worden waren. Der folgende Aufsatz wird die Hauptphasen der Entscheidungsprozesse nachzeichnen, die zur Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten Deutschlands und der deutschsprachigen Minderheiten führten, sowie die wichtigsten Kritikpunkte und Anklagen der CAME-Appelle.
Das Land der Toten: Menschen ohne Menschenrechte. Die Vertreibungen der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg und die Aufrufe des CAME / D'Onofrio, Andrea. - (2024), pp. 299-323.
Das Land der Toten: Menschen ohne Menschenrechte. Die Vertreibungen der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg und die Aufrufe des CAME
Andrea D'Onofrio
2024
Abstract
1947 erschienen in New York zwei Aufrufe des CAME, Committee against Mass Expulsion, ein Komitee wichtiger Menschenrechtsaktivisten aus den USA – von denen einige schon in der “American Civil Liberties Union”, einer der wichtigsten amerikanischen Menschenrechtsorganisationen, tätig waren – gegen das dramatische Schicksal der Zwangsvertreibungen der deutschen und deutschsprachigen Bevölkerung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und aus den Ländern Ost-u. Mitteleuropa. Unter den neunzehn Unterzeichnern der beiden CAME-Appelle befanden sich die bekannte Journalistin Dorothy Thompson, der berühmte Pädagoge John Dewey, der Philologe Dean Christian Gauss, die Journalisten Christopher Emmet und Varian Fry, der Jesuit John La Farge. Die beiden Publikationen, mit den bezeichnenden Titeln: The land of the dead: study of the deportations from eastern Germany und Men without the rights of man: a report on the expulsion and extermination of the German speaking minority groups in the Balkans and prewar Poland, wurden 1948 in deutscher Übersetzung und in gekürzter Fassung vom Zonenausschuß der CDU der Britischen Zone mit dem Titel: Das Land der Toten. Menschen ohne Menschenrechte. Studien der Deportationen aus dem Osten Deutschlands neu aufgelegt. Die Migrationen, auf die sich die CAME-Dokumente bezogen, waren Teil eines umfassenderen Prozesses von erzwungenen Völkertransfers, die am Ende des Zweiten Weltkriegs in den mittelosteuropäischen Ländern stattfanden und meist das Ziel hatten, durch ethnolinguistische Homogenisierungsprogramme, oft mit offizieller Unterstützung der Sieger des Krieges, diesen Teil Europas national neu zu definieren. Gerade die deutsche und deutschsprachige Bevölkerung war von diesem tragischen Schicksal mit insgesamt 14 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, und einer geschätzten Zahl von 600.000 bis 2 Millionen Toten, am stärksten betroffen. CAME kritisierte scharf die schweren Menschenrechtsverletzungen, die dieses Phänomen der Vertreibungen, mit Zustimmung oder Schweigen der Alliierten, den deutschen und deutschsprachigen Flüchtlingen verursachte, und verglich sie provokativ mit einigen der Anklagen, die von den Alliierten selbst während des Nürnberger Prozesses erhoben worden waren. Der folgende Aufsatz wird die Hauptphasen der Entscheidungsprozesse nachzeichnen, die zur Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten Deutschlands und der deutschsprachigen Minderheiten führten, sowie die wichtigsten Kritikpunkte und Anklagen der CAME-Appelle.| File | Dimensione | Formato | |
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