Der Beitrag geht von der Feststellung aus, dass in den Gedichten von Paul Celan fremdsprachliche Wörter und sogar Sätze auftauchen. Hängt diese (in der Dichtung ziemlich unerwartete) Erscheinung mit einer spezifischen Funktion der Fremdsprache zusammen, die die Muttersprache nicht ausüben kann? Um auf diese Frage zu antworten, werden hier Beispiele aus unterschiedlichen Sammlungen vorgestellt, insbesondere aus Die Niemandsrose, innerhalb derer zahlreiche fremdsprachliche Ausdrücke vorkommen – manchmal auch aus mehreren Sprachen zugleich. Insbesondere rückt die Dimension der Fremdsprache als Schibboleth in den Vordergrund: es wird damit ein Wort bezeichnet, dessen Aussprache besonders schwierig für Nicht-Mitglieder einer bestimmten Sprachgemeinschaft ist, und dadurch diese als solche identifiziert. Eine in sich wohlgeformte geschlossene sprachliche Form ohne Bedeutungskern: eine Niemandsrose. Die Funktion eines Schibboleths entspricht deshalb einigermaßen derjenigen eines Kennworts: Sprache, die eine Funktion hat, aber keine Bedeutung. Die Hypothese, die aufgestellt wird, besteht darin, dass Fremdsprache (und insbesondere Schibbolethe) keine bloße Reduktion der Sagbarkeit darstellen, im Gegenteil: man ist sogar auf sie angewiesen, wenn man die eigentümliche Erfahrung einer Distanz macht, deren Logik gerade darin besteht, nicht aufgehoben werden zu können – nicht einmal von ihrem Ausgedrücktwerden.

Lob der Ferne. Sprache und Fremdsprache bei Paul Celan

BONGO, Giancarmine
2013

Abstract

Der Beitrag geht von der Feststellung aus, dass in den Gedichten von Paul Celan fremdsprachliche Wörter und sogar Sätze auftauchen. Hängt diese (in der Dichtung ziemlich unerwartete) Erscheinung mit einer spezifischen Funktion der Fremdsprache zusammen, die die Muttersprache nicht ausüben kann? Um auf diese Frage zu antworten, werden hier Beispiele aus unterschiedlichen Sammlungen vorgestellt, insbesondere aus Die Niemandsrose, innerhalb derer zahlreiche fremdsprachliche Ausdrücke vorkommen – manchmal auch aus mehreren Sprachen zugleich. Insbesondere rückt die Dimension der Fremdsprache als Schibboleth in den Vordergrund: es wird damit ein Wort bezeichnet, dessen Aussprache besonders schwierig für Nicht-Mitglieder einer bestimmten Sprachgemeinschaft ist, und dadurch diese als solche identifiziert. Eine in sich wohlgeformte geschlossene sprachliche Form ohne Bedeutungskern: eine Niemandsrose. Die Funktion eines Schibboleths entspricht deshalb einigermaßen derjenigen eines Kennworts: Sprache, die eine Funktion hat, aber keine Bedeutung. Die Hypothese, die aufgestellt wird, besteht darin, dass Fremdsprache (und insbesondere Schibbolethe) keine bloße Reduktion der Sagbarkeit darstellen, im Gegenteil: man ist sogar auf sie angewiesen, wenn man die eigentümliche Erfahrung einer Distanz macht, deren Logik gerade darin besteht, nicht aufgehoben werden zu können – nicht einmal von ihrem Ausgedrücktwerden.
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